Jugendliche in Westfalen sehen die Zukunft des Bauens mit anderen Augen als Erwachsene: Sie wünschen sich mehr Mitsprache, praxisnahe Bildung und eine stärkere Verbindung zur Fachwelt. Die aktuelle Umfrage von WESTFALEN BAUEN KULTUR zeigt, dass Klimaschutz und Digitalisierung als wichtigste Treiber für Veränderungen gesehen werden – doch gleichzeitig fehlt eine klare Perspektive, wie sich der gebaute Raum anpassen soll.
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FUTURE:WEST
Bestandsaufnahme: Jugendliche fühlen sich weniger wohl in Westfalen als Erwachsene
- Nur 26 Prozent der Jugendlichen stimmen vollkommen zu, dass sie sich wohl in Westfalen fühlen. Zum Vergleich: Bei den erwachsenen Bürgerinnen und Bürgern sind es 56 Prozent und in der Fachwelt 58 Prozent.
- 87 Prozent der jungen Menschen möchten mitsprechen, wenn Bauentscheidungen getroffen werden, die Einfluss auf ihr Leben haben.
- Die Mehrheit der befragten Jugendlichen sehen die zunehmende Digitalität (95 Prozent) und Klimaschutz (89 Prozent) als Treiber für den Veränderungsbedarf im Wohnungsbau.
- 74 Prozent der Jugendlichen wünschen sich baukulturelle Bildung im Unterricht – und zwar vor allem direkt aus der Fachwelt (67 Prozent).
- Nahezu alle Jugendlichen wünschen sich handwerkliche Kenntnisse, um selbst etwas bauen oder reparieren zu können.
Münster/Westfalen, 17.04.2024. In der aktuellen Bestandsaufnahme des Vereins WESTFALEN BAUEN KULTUR zeigt sich ein interessantes Bild: Jugendliche in Westfalen empfinden ihr Lebensumfeld deutlich anders als Erwachsene. Sie fühlen sich weniger wohl und haben viele Fragen an den gebauten Raum der Zukunft.
Die Mehrheit der befragten Jugendlichen identifizieren die zunehmende Digitalisierung gefolgt vom Klimawandel als Haupttreiber für Veränderungen im Bauen. Zugleich fehlen ihnen Perspektiven, wie sich der gebaute Raum an die Veränderungen anpassen kann. Dazu passt, dass sich 74 Prozent der befragten Jugendlichen eine stärkere Präsenz von baukultureller Bildung im schulischen Unterricht wünschen. Vor allem möchten sie diese Bildung direkt aus der Fachwelt erhalten, was auf ein großes Interesse an praxisnahem Wissen und Expertise hinweist.
Zukunft gestalten: Jugendliche wünschen sich mehr Einfluss und Bildung in Baukultur
„87 Prozent der befragten Jugendlichen möchten mitsprechen, wenn Bauentscheidungen getroffen werden, die Einfluss auf ihr Leben haben, und verbinden damit die Chance auf mehr Lebensqualität“, kommentiert Andreas Heupel, erster Vorsitzender des Vereins WESTFALEN BAUEN KULTUR. „Dazu passt, dass 95 Prozent der jungen Menschen sagen, dass wo und wie man wohnt, sehr entscheidend ist, ob es einem gut geht oder nicht. Die Ergebnisse unserer Untersuchung zeigen auch: Die Perspektiven der Jugendlichen unterscheiden sich von den Blickwinkeln der Erwachsenen. Gleichzeitig besteht ein großer Wunsch nach Austausch und Wissenserwerb. Das werden wir sehr ernst nehmen und unsere künftige Arbeit auch daran ausrichten, die Auseinandersetzung mit dem gebauten Raum vor allem auch generationsübergreifend anzustoßen.“
Handwerkliche Bildung im Fokus: Jugendliche zeigen Begeisterung für praktisches Lernen
„Es hat uns sehr überrascht, dass alle befragten Jugendlichen handwerkliche Fähigkeiten erwerben möchten, um selbst kreativ zu werden und eigene Projekte realisieren zu können“, sagt Martin Behet, stellvertretender Vorsitzender des Vereins. „Aber das zeigt uns, wie stark das Bedürfnis nach praktischem Lernen ist und der Möglichkeit, selbstständig zu gestalten und zu reparieren. Hier sollten handwerkliche Berufe unbedingt anknüpfen. Egal, ob in der Baubranche, in den Handwerksbetrieben oder in der Nutzerschaft, wir alle erleben den Mangel an Handwerkskräften und müssen gemeinsam gezielt gegensteuern. Und wenn es nach dem Wunsch der Jugendlichen geht, könnte uns dies in der Zusammenarbeit mit Schulen gelingen. Diese Chance sollten wir nicht verpassen.“
Methodik der Umfrage
Die Erhebung wurde von tinkerbrain im Auftrag von WESTFALEN BAUEN KULTUR durchgeführt.
Die Erhebung fand im Zeitraum vom 15. Mai bis zum 30. Oktober 2023 durch eine digitale Umfrage statt, die über die sozialen Medien und Schulen in der Zielgruppe bekannt gemacht wurde.
Die Grundgesamtheit für die Befragung bildeten 938 deutschsprachige Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 16 und 21 Jahren (722 16- bis 18-Jährige und 216 19- bis 21-Jährige).
Allerdings haben auch junge Menschen bei der Nutzerschaft-Umfrage teilgenommen, so dass der Anteil junger Menschen insgesamt an den Umfrage-Ergebnissen noch etwas höher ist als in der Jugendbefragung.
Alle Ergebnisse wurden in der Auswertung berücksichtigt.
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Eine Einladung zum Lesen, Hinterfragen, Weiterbauen und Herunterladen.