»Dieser WEST:WALK wirkt über das Ferien­projekt hinaus!«

In einer Herbstferienaktion der LAG Kunst & Medien NRW e.V. im Rahmen der WEST:WALKS widmeten sich Kinder aus dem Hoeschviertel und anderen Quartieren Dortmunds gemeinsam mit der Architektin Susanne Schamp dem Thema „Wohnkultur und Industrienatur“. Sie fragten: Wie wollen wir wohnen – und wie können wir es gestalten? Was macht einen Ort lebenswert, geborgen, bedeutsam?

Dortmund, 16.10.2024 Wohnen ist mehr als ein Dach über dem Kopf. Es ist Ausdruck gesellschaftlicher Rahmenbedingungen, materieller Möglichkeiten und individueller Sehnsüchte. Für Kinder in städtischen Quartieren, in denen Wohnraum knapp ist und soziale Belastungen zum Alltag gehören, stellt sich die Frage nach einem guten Zuhause in besonderer Weise.

Ausgangspunkt war das „Stahlhaus“, ein Prototyp industriellen Bauens der 1960er Jahre, das heute Teil des Hoesch-Museums ist. Maya Porat-Stolte vom Museum ermöglichte den Kindern Einblicke in seine Geschichte – und in die Idee, mit Architektur soziale Antworten zu geben. Im Kontrast dazu stand die unmittelbare Umgebung: die Brachfläche der ehemaligen Maschinenfabrik Deutschland. Ein Ort, an dem sich Industrienatur ihren Raum zurückerobert – wild, unplanbar, poetisch.

Gemeinsam mit der Künstlerin Debora Ando entwickelten die Kinder künstlerische Formen, um das Erlebte und Erfragte sichtbar zu machen. In einem mehrtägigen Prozess entstand ein großformatiges Werk, das das Stahlhaus als Blaupause aufgriff – und mit Fundstücken aus der Industrienatur „zum Leben“ brachte. Pflanzen, Überreste der Stahlzeit, eigene Linien und Kompositionen verbanden sich zu einer stillen Erzählung über Raum, Identität und Wandel.

Parallel sammelten die Kinder mit Vera Herberholt und der App #stadtsache fotografische Eindrücke aus dem Quartier, hielten fest, was ihnen auffiel, was sie bewegte. Die entstandenen Bilder und Karten wurden im Anschluss mit Susanne Schamp reflektiert: Wo sehen wir Potenzial? Was fehlt? Was macht diesen Ort zu unserem?

»Was bei diesem WEST:WALK entstand, war mehr als ein Ferienprojekt,« sagt Susanne Schamp rückblickend. »Es war ein Gespräch über Stadt, über Teilhabe und das Recht auf ein gutes Leben – geführt in der Sprache der Kinder und ihrer Räume. Für mich war das total spannend!«

 

Im Video erzählt Susanne Schamp, warum es so wichtig ist, mit Kindern über Stadtraum ins Gespräch zu kommen – und welche Fragen und Perspektiven sie im Projekt besonders berührt haben:

Auf einen Blick – so haben die Kinder das Quartier erforscht:

  • Erkundung mit der App #stadtsache: Die Kinder waren im Quartier unterwegs und erstellten ein Voice Mapping – eine Mischung aus Fotos, Tonaufnahmen und Kommentaren zu Orten, die ihnen auffielen oder wichtig waren.
  • Präsentation und Austausch: Die Ergebnisse wurden der Architektin Susanne Schamp vorgestellt. Die Kinder formulierten Fragen zu Wohnformen, Lebensqualität und Stadtentwicklung im eigenen Umfeld.
  • Vertiefung im Dialog: Susanne Schamp beantwortete die Fragen und führte die Gespräche gemeinsam mit den Kindern weiter – immer im Wechselspiel von Beobachtung, Nachfragen und gemeinsamer Deutung.

Weiterführende Links zum Projekt: 

Susanne Schamp
Susanne Schamp ist Architektin mit langjährigem Engagement für Baukultur und Stadtgestaltung. Sie bringt ihre Expertise unter anderem als Vorsitzende der Gestaltungsbeiräte in Ahlen und Sendenhorst, als Beiratsmitglied bei ZUKUR sowie im Vorstand des Fördervereins des Baukunstarchivs NRW ein.

AG Kunst und Medien NRW e.V.
Die LAG Kunst und Medien generiert gemeinsam mit Netzwerkpartnern ein vielfältiges Angebot für Kinder und Jugendliche in den Bereichen Fotografie, Mediengestaltung sowie bildnerisches und kreatives Arbeiten in ganz NRW.

Debora Ando
Seit 2019 lebt und arbeitet die Künstlerin Debora Ando in Deutschland. Seit 2020 lehrt sie an der Fachhochschule Dortmund.

App #stadtsache
Die App #stadtsache macht Stadtraumforschung kinderleicht – im wahrsten Sinne. Mit ihr können Kinder und Jugendliche ihre Umgebung erkunden, fotografieren, vertonen und kommentieren. Dabei entstehen ganz persönliche Stadtpläne und digitale Ausstellungen. Die App fördert genaues Hinsehen, kreatives Erzählen und die Auseinandersetzung mit dem eigenen Lebensumfeld. So wird aus dem Stadtraum ein Erfahrungsraum – dokumentiert aus der Perspektive der Jüngsten.