Wenn Lars Friedrich durch Hattingen führt, werden Kopfsteinpflaster, Fachwerk und Backstein zu Einträgen ins innere Geschichtsbuch der Teilnehmenden. Was macht seine Spaziergänge so besonders – und warum bleibt man danach nie wieder achtlos stehen?
Herr Friedrich, Sie haben für Hattingen dialogische Stadtführungen entwickelt, die sich durch partizipative Elemente auszeichnen. Warum ist Ihnen gerade dieser kooperative Ansatz wichtig?
Lars Friedrich: Ich bin selbst kein Fan klassischer Stadtführungen mit 90-minütigen Monologen. Mich ermüdet es, wenn der Austausch vollkommen auf der Strecke bleibt. Daher versuche ich, in meinen Führungen über die gesamte Dauer der Tour hinweg mit den Gästen wirklich ins Gespräch zu kommen. Das erfordert Übung und Disziplin, weil es tatsächlich leichter und vor allem vorhersehbarer ist, sich ganz und gar auf die Wissensvermittlung zu konzentrieren, ohne die Gruppe einzubeziehen. Aber die Anstrengung lohnt sich, weil die Führung lebendiger wird, die Teilnehmenden aktiviert und sie dadurch auch letztlich im Anschluss mehr mitnehmen können.
Erlauben Sie uns einen Schulterblick: Gibt es bestimmte Voraussetzungen, für einen dialogischen Spaziergang? Zum Beispiel die Größe der Gruppe?
Lars Friedrich: Wir beschränken die Gruppengröße auf maximal 20 bis 25 Personen. Größere Gruppen machen es schwierig, mit jedem Teilnehmer in Kontakt zu bleiben und den Dialog aufrechtzuerhalten. Gerade in den engen Gassen der Altstadt ist es wichtig, dass jeder die Möglichkeit hat, sich einzubringen und nicht durch die baulichen Voraussetzungen so weit abgedrängt wird, dass man nichts mehr versteht.
Ich stelle mir vor, ich stehe jetzt so, dass ich Sie und die anderen gut verstehen kann und freie Sicht auf das Gebäude habe, um das es gerade geht. Wie holen Sie sich dann meine Aufmerksamkeit?
Lars Friedrich: Ich erzähle Ihnen eine Geschichte, die uns von einem Ort zum nächsten führt und die ganze Zeit über einen Spannungsbogen aufrecht erhält. Das gelingt auch dadurch, dass ich am letzten Ort bereits zum nächsten überleite. Und ich erzähle diese Geschichte mit Bildern und nicht durch Zahlen, um den Teilnehmenden eine anschauliche Vorstellung zu geben, die sie aus ihrer Alltagswelt kennen. Statt zu erklären, dass das Abstichloch eines Hochofens einen Durchmesser von 11,3 Zentimetern hat, sage ich zum Beispiel: „Stellen Sie sich einen durchschnittlich großen Duschkopf vor: Jetzt haben Sie die Größe des Abstichlochs vor Augen.“