Der Schwerter Wald vor den Toren von Dortmund

Am 1. Oktober 2024 führte ein WEST:WALK des Heimatvereins Berghofen e.V., initiiert und geplant von der Vorständin Cornelia Konter, durch den Schwerter, Berghofer und Aplerbecker Wald. Ausgangspunkt war der Parkplatz am Freischütz – ein Ort, der selbst bereits tief in der regionalen Geschichte verwurzelt ist.

Der Rundgang verband auf eindrückliche Weise Landschaft, Erinnerung und regionale Identität. Entlang des Zechenwegs wurde die bergbauliche Vergangenheit der Region greifbar: Steinkohle- und Erzbergbau haben das Gebiet über lange Zeit geprägt und Spuren hinterlassen, die sich bis heute im Gelände ablesen lassen.

Ein erster markanter Halt war der Blaue See, ein stilles Relikt industrieller Nutzung. Der ehemalige Steinbruch, der bis 1873 in Betrieb war, hat sich über die Jahrzehnte mit Wasser und Sediment gefüllt – ein Beispiel dafür, wie sich vom Menschen geformte Landschaften in neue, naturnahe Räume verwandeln.

An der Quelle des Hörder Bachs – historisch auch als Hörderbachquelle bezeichnet – wurde die Bedeutung der Gewässer für die Region thematisiert. Eine Texttafel aus dem Jahr 1965 verweist auf die lange Wahrnehmung und Dokumentation dieses Ortes. Der nahegelegene Lohbach entspringt ebenfalls in diesem Gebiet und ist Teil eines sensiblen hydrologischen Systems im Landschaftsschutzraum.

Historische Grenzverläufe wurden am Grenzstein von 1798 zwischen Schwerte und Haus Berghofen sichtbar. Der dazugehörige Grenzgraben ist bis heute im Gelände erkennbar und macht territoriale Ordnungen vergangener Jahrhunderte anschaulich nachvollziehbar.

Mit dem Hügelgrab im Berghofer Wald öffnete sich der Blick noch weiter zurück: Dieses archäologische Zeugnis, datiert in die späte Steinzeit oder frühe Bronzezeit, markiert die frühesten bekannten Spuren menschlicher Anwesenheit in diesem Raum.

Technik- und Infrastrukturgeschichte bildeten einen weiteren Schwerpunkt. Der Wasserhochbehälter am Hüllberg aus dem Jahr 1939 – einer der ältesten und größten seiner Art in Deutschland – steht für die Versorgungssysteme des 20. Jahrhunderts. Ebenso wurde der Tunnel Berghofen (Freigabe 2008) als Beispiel moderner Verkehrsplanung thematisiert, der den Ortskern deutlich vom Durchgangsverkehr entlastet.

Am Standort des ehemaligen Gutes und der Brennerei Nathe wurde die jüngere Nutzungsgeschichte des Areals aufgegriffen. Bis 2006 prägten die Gebäude das Bild dieses Ortes – heute ist davon vor allem die Erinnerung geblieben.

Der Schwerter Wald selbst wurde 2005 unter Schutz gestellt und ist Teil eines größeren zusammenhängenden Waldgebietes – ein Rest der einst nahezu durchgehenden Bewaldung des Ardeygebirges zwischen Emscher und Ruhr. Die Schutzziele – Erhalt der Gewässer, Sicherung extensiver Grünlandnutzung und Schutz der Laubmischwälder – verdeutlichen die heutige Perspektive auf diese Kulturlandschaft.

Auch aktuelle Infrastrukturmaßnahmen fanden ihren Platz im Rundgang: Die erneuerte Fuß- und Radwegbrücke am Freischütz steht im Zusammenhang mit dem Ausbau der B236 und zeigt die fortlaufende Anpassung der Region an veränderte Mobilitätsanforderungen.

Den Abschluss bildete der Freischütz Schwerte selbst: Ursprünglich 1843 als Forsthaus errichtet, entwickelte er sich zu einem beliebten Ausflugsziel. Um 1900 kamen Turm und Festhalle hinzu – bis heute ist der Ort ein identitätsstiftender Anlaufpunkt auf dem Höhenrücken des Ardeygebirges.

Der Spaziergang machte deutlich, wie eng Natur- und Kulturgeschichte in Westfalen miteinander verwoben sind. Der WEST:WALK eröffnete dabei nicht nur Einblicke in unterschiedliche Zeitschichten, sondern lud auch dazu ein, vertraute Landschaften neu zu lesen – als vielschichtigen Raum zwischen Nutzung, Erinnerung und Entwicklung.