„Rund um den Dom“ – 1250 Jahre Stadtgeschichte im Spiegel ihrer Details

Das Kleine erzählt das Große

Die Teilnehmenden des WEST:WALK „Rund um den Dom“ tauchten in ein lebendiges Geschichtsbuch ein. Im Mittelpunkt stand der Paulus-Dom, fast 1.250 Jahre alt – das Herz Münsters, in dem sich geistige, politische und städtebauliche Strömungen bündeln. Große Themen der Stadtentwicklung lagen hier förmlich in der Luft: Glaube und Macht, Zerstörung und Wiederaufbau, Kunst und Gegenwart.

Und doch waren es nicht die monumentalen Bauwerke allein, die die Geschichte erzählten. Vielmehr waren es die kleinen Spuren, die im Alltag leicht übersehen werden: Brandnarben an den Mauern, barocke Fragmente am südlichen Seiteneingang, eine schmale Linie im Pflaster, das Relief einer Tür oder eine unscheinbare Skulptur am Wegesrand. Aus diesen scheinbar unbedeutenden Details wuchs das große Ganze – die Geschichte einer Stadt, die sich immer wieder neu erfand.

Der Rundgang führte weiter in den Stadtraum, wo Kunstwerke die Vergangenheit mit der Gegenwart verbanden. Arbeiten von Ulrich Rückriem, Richard Serra und Josef Albers schufen eine stille, kraftvolle Verbindung von Raum, Material und Spiritualität. Albers’ „1 Meter Himmel“ von 1977 öffnete den Blick auf Stadt und Himmel, auf Vergangenheit und Jetzt – wie die Skulptur Projekte Münster insgesamt, die Kunst und Stadtraum untrennbar miteinander verknüpfen.

Das Kleine lesen, um das Große zu verstehen

Besondere Akzente setzten die Nachkriegskünstler Rudolf Breilmann und Adolf Knüppel. Breilmanns Bronzetür an der Petrikirche erzählt mit biblischen Motiven von Hoffnung und Neuanfang, ein Zeugnis der Generation, die nach Krieg und Zerstörung neue Ausdrucksformen zwischen Glaube und Moderne suchte. Knüppels „Goldene Fuge“ am Rathaus hingegen ist eine fast unscheinbare, vergoldete Linie im Boden – leise, aber tief berührend, eine Spur, die Trennung in Verbindung verwandelt und Erinnerung in den Alltag einschreibt.

Schließlich lenkte der Rundgang den Blick auf das LWL-Museum für Kunst und Kultur. Der Neubau von Volker Staab öffnet sich zum Domplatz, lässt Licht und Blickachsen fließen – ein Dialog aus Stein, Luft und Zeit, der zeigt, wie heutige Architektur achtsam mit Geschichte umgehen kann.

Am Ende wurde klar: Geschichte liegt nicht nur in großen Bauwerken oder Daten. Sie steckt in den kleinen Dingen, die vom Werden, Vergehen und Weiterbauen erzählen. Der WEST:WALK machte sichtbar, wie sehr Münster von Erinnerung, Erneuerung und der Kunst des genauen Hinsehens geprägt ist – und wie 1.250 Jahre Stadtgeschichte sich in den feinen Details verdichten, wenn man lernt, das Kleine zu lesen, um das Große zu verstehen.

"Nach dem WEST:WALK stand ich schon zwei Mal mit anderem Blick an der Bushaltestelle." Thomas, ein Teilnehmer