Münster, 22.9.2024 Zwischen Altstadt und Aasee, zwischen Glasfassaden und Giebelhäusern: Mit Anne Wieland durch Münster zu gehen, ist ein kleines Abenteuer der Wahrnehmung. Denn Ziegel begegnen uns überall – in allen verschiedenen Farben und Formen. Die wissenschaftliche Referentin für Bildung und Vermittlung am LWL-Museum Ziegelei Lage hat uns auf eine ungewöhnliche Stadtbegehung mitgenommen. Keine touristischen Highlights, keine Schaufenster. Stattdessen: Fassaden, Fugen und rechte Winkel.
Mit forschendem Blick und viel Kenntnis zeigt Anne Wieland, wie Backstein in der Stadt erzählt: von handwerklicher Tradition, von Industriegeschichte, von architektonischer Haltung und kleinen Hinweisen wie Straßennamen, die zum Beispiel Lehmkuhlenweg heißen und damit auf ihre Geschichte verweisen. Immer wieder macht sie auf Strukturen aufmerksam, die uns sonst kaum auffallen – ein alter Mauerverband hier, ein moderner Ziegelbau dort, der bewusst an frühere Formen anknüpft. Dabei schlägt sie eine Brücke vom industriellen Erbe der Ziegelei Lage in die Gegenwart: Was bleibt von einem Baustoff, der so viele Jahrzehnte prägend war – und was macht ihn heute wieder interessant?
Industriekultur erlebbar zu machen, heißt für Anne Wieland: sehen lernen. Und dieses Sehen verknüpft sie mit Geschichten, mit Fragen und mit einem wachen Interesse an Menschen. Wer mit ihr unterwegs ist, schaut anders auf die Stadt. Und begreift schnell: Der Ziegel ist nicht nur ein Baustoff. Er ist ein Archiv. Und die Stadt?Ein offenes Buch!
Mehr erleben: Wer tiefer eintauchen möchte, sollte die Ziegelei Lage selbst besuchen. Die leuchtend roten Dächer erkennt man schon von weitem – ein Ort mitten in der Natur, der noch immer lebendig vom einstigen Alltag der Ziegelproduktion erzählt. In der vollständig erhaltenen Anlage kann man Lehm mit den eigenen Füßen treten und an den Produktionstagen die Kraft der Maschinenziegelei hautnah erleben.
Öffnungszeiten und Infos: ziegelei-lage.lwl.org