FUTURE:WEST – was Westfalen wirklich will

Wie wollen wir in Westfalen künftig leben, bauen, gestalten? Mit dieser Frage startete 2023 die große Umfrage FUTURE:WEST – und mehr als 3.000 Menschen aus der Region haben geantwortet. Fachleute und die Menschen, die in Westfalen wohnen, arbeiten und aufwachsen: Ihre Perspektiven sind vielfältig, vielschichtig – und sie zeigen, wie sehr die Zukunft der gebauten Umwelt als gemeinsame Aufgabe verstanden wird.

Im Auditorium des LWL-Museums für Kunst und Kultur in Münster wurden am 17. April 2024 die Ergebnisse vorgestellt. Ein Abend voller Eindrücke und Gespräche, moderiert von Projektleiterin Anke M. Leitzgen.

Rückblick auf die Vorstellung der FUTURE:WEST-Ergebnisse im LWL-Museum für Kunst und Kultur

Die Resonanz war groß, das Interesse spürbar. In der Keynote sprach der Autor Burkhard Spinnen über Heimat als „Wort für die Sehnsucht im Alltag nach Identität“. Ein Begriff, der zwar umstritten sei, so Spinnen weiter, „aber Sie können die Sehnsucht des Menschen nach seiner Identität nicht abschaffen.“ Eine These, die den Ton des Abends prägte: Baukultur ist mehr als Gestaltung – sie berührt unser Gefühl von Zugehörigkeit, unseren Alltag, unsere Geschichten.

»Sie können das Wort Heimat abschaffen, aber Sie können die Sehnsucht des Menschen nach seiner Identität nicht abschaffen,« sagte Burkhard Spinnen.
»Sie können das Wort Heimat abschaffen, aber Sie können die Sehnsucht des Menschen nach seiner Identität nicht abschaffen,« sagte Burkhard Spinnen.
Die Umfragen FUTURE:WEST sind ein wichtiger Baustein auf der gesamten Projektreise von WESTFALEN BAUT KULTUR.
Die Umfragen FUTURE:WEST sind ein wichtiger Baustein auf der gesamten Projektreise von WESTFALEN BAUT KULTUR.
Die Umfrage war ein großer Erfolg. 3.303 Menschen aus Westfalen haben teilgenommen – darunter auch viele Jugendliche.
Die Umfrage war ein großer Erfolg. 3.303 Menschen aus Westfalen haben teilgenommen – darunter auch viele Jugendliche.
»Für uns sind die Antworten der jungen Menschen zwischen 16 und 21 Jahren von ganz besonderer Bedeutung,« erklärte Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger.
»Für uns sind die Antworten der jungen Menschen zwischen 16 und 21 Jahren von ganz besonderer Bedeutung,« erklärte Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger.
Gibt es eine Verbindung zwischen Handwerkermärkten und einer stabilen Demokratie? »Ja,« sagte Dr. Rainald Manthe, Autor des Buches »Demokratie fehlt Begegnung«, in dem er über die Bedeutung von Alltagsräumen schreibt.
Gibt es eine Verbindung zwischen Handwerkermärkten und einer stabilen Demokratie? »Ja,« sagte Dr. Rainald Manthe, Autor des Buches »Demokratie fehlt Begegnung«, in dem er über die Bedeutung von Alltagsräumen schreibt.
Nur 26 Prozent der Jugendlichen stimmen vollkommen zu, dass sie sich in Westfalen wohlfühlen. Einige mögliche Begründungen, warum das so ist, steuerte Frida Reinhardt bei.
Nur 26 Prozent der Jugendlichen stimmen vollkommen zu, dass sie sich in Westfalen wohlfühlen. Einige mögliche Begründungen, warum das so ist, steuerte Frida Reinhardt bei.

In der anschließenden Gesprächsrunde diskutierten Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger (Kulturdezernentin des LWL), Frida Reinhardt (Jugendrat Münster), Lukas Müller (Student und Holztechniker), Dr. Rainald Manthe (Soziologe) und Florian Kretzschmar (Lernbauberater und Lehrer) über die Umfrageergebnisse. Besonders im Blick: die Stimmen junger Menschen. „Für uns sind die Antworten der 16- bis 21-Jährigen von ganz besonderer Bedeutung“, betonte Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger – und lobte FUTURE:WEST als „eine enorm wichtige Bestandsaufnahme“.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Nur 26 Prozent der Jugendlichen stimmen vollkommen zu, dass sie sich in Westfalen wohlfühlen – bei den Erwachsenen sind es 56 Prozent, bei der Fachwelt sogar 58 Prozent. Gleichzeitig wünschen sich 87 Prozent der jungen Menschen Mitsprache, wenn Bauentscheidungen getroffen werden, die ihr Leben betreffen.

Auch insgesamt zeigt die Umfrage: Es gibt Luft nach oben. Zwar geben 62 Prozent der Befragten an, die Qualität des gebauten Westfalens als „eher gut“ zu empfinden, aber nur 6 Prozent bewerten sie als „sehr gut“. 34 Prozent wohnen genau so, wie sie möchten – knapp die Hälfte (47 Prozent) stimmt dieser Aussage immerhin „eher“ zu.

Was es jetzt braucht? Zuhören. Weiterdenken. Und Räume, die wirklich etwas mit den Menschen zu tun haben. Florian Kretzschmar brachte es für den Schulbau so auf den Punkt: „Ich habe architektonisch innovative Schulräume gesehen – bestuhlt wie aus den 80ern. Die haben ihr Potenzial verfehlt.“

Gleichzeitig betonte Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger, wie wichtig es sei, Baukultur als Prozess zu verstehen: „Die Westfälische Baukultur ist eng mit der regionalen Geschichte verbunden. Aber es muss immer auch Raum für Neues geben, um nicht stehenzubleiben.“

Besonders die Fachwelt sieht in der Weiterentwicklung große Chancen: 94 Prozent fordern die Bewahrung lokaler Identitäten und die Förderung baukultureller Bildung. FUTURE:WEST zeigt: Baukultur muss die Menschen ernst nehmen – in ihrer Vielfalt, ihren Erwartungen, ihren Alltagswelten. Nur dann entstehen Räume, die tragen.


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