In der anschließenden Gesprächsrunde diskutierten Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger (Kulturdezernentin des LWL), Frida Reinhardt (Jugendrat Münster), Lukas Müller (Student und Holztechniker), Dr. Rainald Manthe (Soziologe) und Florian Kretzschmar (Lernbauberater und Lehrer) über die Umfrageergebnisse. Besonders im Blick: die Stimmen junger Menschen. „Für uns sind die Antworten der 16- bis 21-Jährigen von ganz besonderer Bedeutung“, betonte Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger – und lobte FUTURE:WEST als „eine enorm wichtige Bestandsaufnahme“.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Nur 26 Prozent der Jugendlichen stimmen vollkommen zu, dass sie sich in Westfalen wohlfühlen – bei den Erwachsenen sind es 56 Prozent, bei der Fachwelt sogar 58 Prozent. Gleichzeitig wünschen sich 87 Prozent der jungen Menschen Mitsprache, wenn Bauentscheidungen getroffen werden, die ihr Leben betreffen.
Auch insgesamt zeigt die Umfrage: Es gibt Luft nach oben. Zwar geben 62 Prozent der Befragten an, die Qualität des gebauten Westfalens als „eher gut“ zu empfinden, aber nur 6 Prozent bewerten sie als „sehr gut“. 34 Prozent wohnen genau so, wie sie möchten – knapp die Hälfte (47 Prozent) stimmt dieser Aussage immerhin „eher“ zu.
Was es jetzt braucht? Zuhören. Weiterdenken. Und Räume, die wirklich etwas mit den Menschen zu tun haben. Florian Kretzschmar brachte es für den Schulbau so auf den Punkt: „Ich habe architektonisch innovative Schulräume gesehen – bestuhlt wie aus den 80ern. Die haben ihr Potenzial verfehlt.“
Gleichzeitig betonte Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger, wie wichtig es sei, Baukultur als Prozess zu verstehen: „Die Westfälische Baukultur ist eng mit der regionalen Geschichte verbunden. Aber es muss immer auch Raum für Neues geben, um nicht stehenzubleiben.“
Besonders die Fachwelt sieht in der Weiterentwicklung große Chancen: 94 Prozent fordern die Bewahrung lokaler Identitäten und die Förderung baukultureller Bildung. FUTURE:WEST zeigt: Baukultur muss die Menschen ernst nehmen – in ihrer Vielfalt, ihren Erwartungen, ihren Alltagswelten. Nur dann entstehen Räume, die tragen.