Viele Menschen unterstützen das Schloss auch finanziell. Hilft die Offenheit dabei?
Dr. Martina Fleßner: Auf jeden Fall. Wir haben eine sehr lebendige Spendenkultur. Es gibt Fensterspenden, Türenspenden, manchmal sogar ganze Sanierungen, die in Erinnerung an verstorbene Partnerinnen oder Partner übernommen werden. Das schafft eine tiefe emotionale Bindung: Wer hier etwas ermöglicht hat, kommt wieder, zeigt es der Familie, fühlt sich verbunden. Das ist geradezu poetisch.
Das klingt alles unglaublich schlüssig, aber war dieses offene Konzept von Anfang an so klar?
Sarina Werner: Nein, es war und ist ein Prozess. Ideen gab es immer schon viele, aber wir wollten vor allem flexibel und auch selbst offen für den Austausch und Anregungen von außen bleiben. Vieles entsteht aus dem Ping-Pong mit den Menschen vor Ort. Wir haben daher auch kein starres Investorenmodell aufgebaut, sondern entwickeln das Schloss mit den Ressourcen, die wir haben.
Ein besonderer Baustein in Ihrem Sanierungskonzept ist die Jugendbauhütte.
Sarina Werner: Das stimmt. Die Jugendbauhütte Westfalen ermöglicht ein Freiwilliges soziales Jahrin der Denkmalpflege. Wir sind dabei sowohl Einsatzstelle als auch Projektort. Das heißt: Jugendliche restaurieren hier Holzvertäfelungen, legen Mauern frei oder arbeiten an Fenstern – immer in enger Abstimmung mit Restauratorinnen und Restauratoren. Dabei übernehmen sie viel Verantwortung, diskutieren über den Sinn der Arbeiten und identifizieren sich stark mit dem Ort. Viele kommen auch noch Jahre später wieder. Das freut uns natürlich sehr, dass sie so eine enge Beziehung aufgebaut haben.
Bei dieser umfangreichen Sanierung spielt auch die Denkmalpflege ein wichtige Rolle. Fluch oder Segen?
Dr. Martina Fleßner: Bei uns läuft das absolut rund. Wir arbeiten mit einem Architekturbüro aus Münster zusammen und stimmen uns eng mit der Denkmalpflege ab. Für uns ist die Zusammenarbeit kein notwendiges Übel, sondern ein echter Gewinn. Wir lernen voneinander, nutzen auch viele wiederverwendete Materialien. Das passt zu unserem nachhaltigen Ansatz.